Weihnachtsgedicht

Engel

Die lustige Weihnacht !

Die lustige Weihnacht !

Heute tanzen alle Sterne , und der Mond ist blank geputzt.

Petrus in der Himmelsferne hat sich seinen Bart gestutzt .

Überall erklingt Geläute , fröhlich schmückt sich groß und klein ,

Und die Heiligen tragen heute Ihren Sonntags – Heiligenschein .

Es ertönen tausend Flöten, tausend Kerzen geben Glanz .

Und die würdigen Kometen wedeln lustig mit dem Schwanz .

Hinterm Zaun im Paradiese, gar nicht weit vom Himmelstor,

musiziert auf einer Wiese auch der Engelskinderchor .

Ihre roten Tröpfelnasen putzen sich die Kleinen schnell ,

Und dann singen sie und blasen auf Fanfaren , silberhell .

Jedes Jahr um diese Stunde , singen sie nach altem Brauch .

Alle Sterne in der Runde lauschen – und die Menschen auch .

Manchmal aber, leise, leise  wird der Chor der Engel stumm

Und im ganzen Erdenkreise geht ein sanftes Flüstern um .

Dann erscheinen sieben Schimmel . Zärtlich ruft es : ‚ Hüh und hott ! ‚

Und gemächlich durch den Himmel fährt der liebe Gott .

Da verstummen alle Lieder , und die Engel machen fix

Mit gefaltetem Gefieder vor dem Herrgott einen Knicks .

Alle goldnen Sternenherden drehn sich still dazu im Tanz .

Und im Himmel wie auf Erden leuchtet Weihnachtskerzenglanz .

James Krüss

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Schatten

Der eigene Schatten

Der Schatten


Auf Wegen, Plätzen, Wiesenmatten

Verfolgt uns stets bei Sonnenschein,

Ganz leicht erraten – unser Schatten,

Verzerrt vom Kopf zum Fersenbein.


Du drehst dich um, versuchst zu laufen,

Der Schatten weicht um keinen Zoll.

Man möchte sich die Haare raufen

Und rätselt, was das Spiel denn soll.


Ergeben fügt man sich, na ja,

Da schluckt der Horizont den Schein.

Jetzt stehst du ohne Schatten da

Und fühlst sich irgendwie allein.


© Ingo Baumgartner

Eisenspur…

Auf einer kleinen Radtour entdeckt.

Arm Kräutchen

Ein Sauerampfer auf dem Damm
stand zwischen Bahngeleisen,
machte vor jedem D-Zug stramm,
sah viele Menschen reisen.

Und stand verstaubt und schluckte Qualm,
schwindsüchtig und verloren,
ein armes Kraut, ein schwacher Halm,
mit Augen, Herz und Ohren.

Sah Züge schwinden, Züge nahen.
Der arme Sauerampfer
sah Eisenbahn um Eisenbahn,
sah niemals einen Dampfer.

von Joachim Ringelnatz