Herbstzeit


In trauter Verborgenheit


Ade, ihr Sommertage,
Wie seid ihr so schnell enteilt,
Gar mancherlei Lust und Plage
Habt ihr uns zugeteilt.

Wohl war es ein Entzücken,
Zu wandeln im
Nur die verflixten Mücken
Mischten sich immer darein.

Und wenn wir auf Waldeswegen
Dem Sange der Vögel gelauscht,
Dann kam natürlich ein Regen
Auf uns hernieder gerauscht.

Die lustigen Sänger haben
Nach Süden sich aufgemacht,
Bei Tage krächzen die Raben,
Die Käuze schreien bei Nacht.

Was ist das für ein Gesause!
Es stürmt bereits und schneit.
Da bleiben wir zwei zu Hause
In trauter Verborgenheit.

Kein Wetter kann uns verdrießen.
Mein Liebchen, ich und du,
Wir halten uns warm und schließen
Hübsch feste die Türen zu.

(Wilhelm Busch)

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Eisenspur…

Auf einer kleinen Radtour entdeckt.

Arm Kräutchen

Ein Sauerampfer auf dem Damm
stand zwischen Bahngeleisen,
machte vor jedem D-Zug stramm,
sah viele Menschen reisen.

Und stand verstaubt und schluckte Qualm,
schwindsüchtig und verloren,
ein armes Kraut, ein schwacher Halm,
mit Augen, Herz und Ohren.

Sah Züge schwinden, Züge nahen.
Der arme Sauerampfer
sah Eisenbahn um Eisenbahn,
sah niemals einen Dampfer.

von Joachim Ringelnatz



Stillleben der „Neuzeit“…

Ein Bild aus der Frühzeit meiner fotografischen Bildgestaltung habe ich wieder gefunden. Angefangen habe ich mit einer Agfa-Box, die mein Onkel mir überlassen hatte. Eine Steigerung war dann der Besitz einer Agfa-Balgen-Kamera. Mit dieser Kamera machte um 1955 herum diese Stillleben. Es ist an Mutters Küchentisch mit Wachstuch entstanden.


„Ein jeder Schmerz lässt sich verwinden,

eine jede klaffende Wunde heilt,

nur eine Seele musst du finden,

die die Liebe mit dir teilt.“

Autor unbekannt

***

Impressionen nach dem Regen…

Es regnet und stürmt schon viel zu langen, aber es hat dieses Wetter auch schöne, wenn auch etwas melancholische Seiten.

Ich wäre so gern noch gefahren, aber meine Zeit war…


Spiegelung in der Wasserlache


Landregen

Der Regen rauscht. Der Regen
rauscht schon seit Tagen immerzu.
und Käferchen ertrinken
im Schlamm an den Wegen.
der Wald hat Ruh.
Gelabte Blätter blinken.
Im Regenrauschen schweigen
alle Vögel und zeigen sich nicht.
Es rauscht urewige Musik.
und dennoch sucht mein Blick
ein Streifchen helles Licht.
Fast schäm‘ ich mich, zu sagen:
ich sehne mich nach etwas Staub.
Ich kann das schwere, kalte Laub
nicht länger mehr ertragen.

Joachim Ringelnatz

***


Wer „waagt“ gewinnt….

Mittlerweile nicht mehr gebraucht, aber sie ist ein interessantes Motiv. Entdeckt habe ich die Waage in der alten Mühle „Unger“ in Varrel auf dem Weg zum Verkaufsraum.

Ich könnte wiegen, aber andere „wiegen“ mehr!

Der volle Sack

Ein dicker Sack – den Bauer Bolte,
Der ihn zur Mühle tragen wollte,
Um auszuruhn, mal hingestellt
Dicht an ein reifes Ährenfeld –
Legt sich in würdevolle Falten
Und fängt ´ne Rede an zu halten.

Ich, sprach er, bin der volle Sack.
Ihr Ähren seid nur dünnes Pack.
Ich bin´s, der euch auf dieser Welt
In Einigkeit zusammenhält.
Ich bin´s, der hoch vonnöten ist,
Daß euch das Federvieh nicht frißt;
Ich, dessen hohe Fassungskraft
Euch schließlich in die Mühle schafft.
Verneigt euch tief, denn ich bin Der!
Was wäret ihr, wenn ich nicht wär?
Sanft rauschten die Ähren:
Du wärst ein leerer Schlauch, wenn wir nicht wären.

Wilhelm Busch