Musterung….

Chicago. Für den ersten Überblick machten wir eine „Sightseeing Tour“. Mit uns ein junger Fahrgast. Er sah sofort das wir Fremde waren und musterte uns gründlich.


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Eisenspur…

Auf einer kleinen Radtour entdeckt.

Arm Kräutchen

Ein Sauerampfer auf dem Damm
stand zwischen Bahngeleisen,
machte vor jedem D-Zug stramm,
sah viele Menschen reisen.

Und stand verstaubt und schluckte Qualm,
schwindsüchtig und verloren,
ein armes Kraut, ein schwacher Halm,
mit Augen, Herz und Ohren.

Sah Züge schwinden, Züge nahen.
Der arme Sauerampfer
sah Eisenbahn um Eisenbahn,
sah niemals einen Dampfer.

von Joachim Ringelnatz



Die Göttin im Holunderbusch

Die Göttin Holla hat hier ihren Wohnsitz….

Der Holunderbusch wächst besonders gerne in der Nähe von Behausungen, daher ist es meistens recht einfach, ihn zu finden. Von Mai bis Ende Juni entfaltet er seine weißen Blüten-Dolden, die weithin duften.
Diese Blüten, angesetzt mit Zucker, Zitrone, Wasser und  Weinsteinsäure, ergaben zur Heuernte ein Erfrischungsgetränk.

Es konnte allerdings nur drei Tage gelagert werden, dann ging es in Gärung über. Wir nannten dieses Getränk „Fliedersekt“. Dieser Bezeichnung war nicht ganz korrekt. Aber Fliedersekt wurde auch hergestellt. Die gleiche Mixtur  auf Flaschen gezogen, sehr fest verschlossen und 10 Tage auf der Fensterbank in der Sonne gelagert. Wobei die Flaschen immer wieder gedreht werden mussten. Dieser „Sekt“ moussierte dann in den Gläsern, wie echter Sekt.
Eine weitere Leckerei, hauptsächlich für uns Kinder war, Fliederbeersuppe mit Eischnee und anschließend Pfannekuchen mit Fliederbeermarmelade.
Im Volksglauben hausen die guten Hausgeister in Holunder-Bäumen, daher überlegt sich der abergläubische Landbewohner ganz genau, ob er einen Holunder fällen soll oder nicht.
Der Holunderbusch war der Lieblingsbaum der germanischen Göttin Holla, die wir als Frau Holle vor allem durch das Grimm-Märchen kennen.
Bei den Germanen stand Frau Holla als Hausgöttin in hohem Ansehen. Besonders in Bayern und Schwaben sowie im Elsaß war ihre Verehrung weitverbreitet.
Die Göttin Holla, Holda oder Hohe war eine den Menschen zugeneigte, ihnen freundlich und mild gesonnene Göttin, die Pflanzen und Menschen Schutz gab. Sie konnte vor allem die Menschen von Krankheiten heilen. Sie wurde als stets helfende Muttergöttin, überhaupt als eine weise Frau angesehen. Die Menschen verehrten in ihr die Güte der Mutter Erde und das strahlende Himmelslicht zugleich. Ihr Name hat den gleichen Ursprung wie die Worte ,,hold“ oder ,,Huld“. In manchen Gegenden wurde sie auch Perchtha genannt, es ist die ursprüngliche Form des Namens Bertha. Der Name bedeutet ,,die Strahlende“. Auch die germanische Liebesgöttin Freya soll eine besondere Beziehung zum Holunderbusch haben und in dem Strauch wohnen.

Charme des Zerfalls…

Gebäude, Parks oder Gärten auf dem Reißbrett geplant und verwirklicht, findet ich toll und gigantisch. Aber schön, gemütlich, heimelich finde ich Bauwerke oder Gärten, die zwar in fachmännischer Qualität aber eben nicht geradlinig ausgeführt wurden. Einen besonderen Charme haben für mich französische Dörfer mit alter verwitterter Reklame, fehlenden Putzflächen, einem Brunnen und Cafe.


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